BGH 8. Zivilsenat, Beschluss vom 25.08.2020, VIII ARZ 2/20

E-Law Admin/ Oktober 6, 2020/ BGH-Rechtsprechung/ 0Kommentare

Leitsatz

1. Zur Entscheidung des Bundesgerichtshofs nach § 45 Abs. 3 ZPO über das Ablehnungsgesuch einer Prozesspartei, mit dem sämtliche Richter eines Oberlandesgerichts wegen Besorgnis der Befangenheit abgelehnt werden (im Anschluss an Senatsbeschluss vom 7. November 1973 – VIII ARZ 14/73, NJW 1974, 55 unter 4 und BVerwG, Beschluss vom 29. Januar 2014 – 7 C 13/13, NJW 2014, 953 Rn. 7).

2. Das im Rechtszug höhere Gericht kann, um Verzögerungen der sachlichen Erledigung des Rechtsstreits zu vermeiden, über ein ihm nach § 45 Abs. 3 ZPO vorgelegtes Ablehnungsgesuch auch dann entscheiden, wenn die abgelehnten Richter – anders als von diesen angenommen – zulässigerweise selbst hierüber hätten entscheiden können (Anschluss an Senatsbeschluss vom 7. November 1973 – VIII ARZ 14/73, aaO unter 3 mwN).

3. Das im Rechtszug höhere Gericht muss – entsprechend dem Zweck des § 45 Abs. 3 ZPO, die Beschlussunfähigkeit des für die Entscheidung über die Ablehnungsgesuche an sich zuständigen Gerichts zu überwinden – nicht über sämtliche Ablehnungsgesuche entscheiden. Es kann sich vielmehr im Rahmen des ihm zustehenden Ermessens darauf beschränken, sachangemessen nur über eine bestimmte Anzahl von Ablehnungsgesuchen zu befinden. Diese Anzahl kann, insbesondere wenn dies zur Vermeidung einer Verzögerung weiterer bei dem Gericht anhängiger Verfahren und zur Aufrechterhaltung der uneingeschränkten Funktionsfähigkeit des Gerichts erforderlich erscheint, die zur Wiederherstellung von dessen Beschlussfähigkeit erforderliche Mindestanzahl der Ablehnungsgesuche überschreiten (Anschluss an und Fortführung von Senatsbeschluss vom 7. November 1973 – VIII ARZ 14/73, aaO; BVerwG, Beschluss vom 22. März 2012 – 2 AV 3/12 und 2 AV 4/12, jeweils juris Rn. 2; BVerwG, Beschluss vom 19. Dezember 2012 – 5 AV 3/12, juris Rn. 2 und BVerwG, Beschluss vom 30. September – 2 AV 2/15, NVwZ 2016, 253 Rn. 5; jeweils mwN).

vorgehend OLG Dresden, 16. Juli 2020, Az: 9a U 715/20
vorgehend LG Chemnitz, 2. März 2020, Az: 4 O 65/19

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